Gesetzliche und private Krankenversicherung im Vergleich

Beitrags und Leistungsvergleich der Testsieger in der PKV. 

Tipps für die Wahl der Krankenversicherung

Um die private Krankenversicherung (PKV) ranken sich zahlreiche Vorurteile: Neben schnelleren Arztterminen und einer besseren medizinischen Versorgung seien die Beiträge im Alter unbezahlbar, mahnen Verbraucherschützer. Dabei ist die Tarifwelt in der PKV so vielfältig, dass die Argumente der höheren Leistungen in der PKV gar nicht immer stimmen. Und dass Privatversicherte im Alter einen Großteil ihrer Rente für die Prämien aufwenden müssen, entspricht nicht der Wahrheit aller Versicherten.

Doch wer darf überhaupt in die private Krankenversicherung wechseln und für wen macht es Sinn? Und schließlich: Was kostet der Versicherungsschutz? Wir zeigen Ihnen die Unterschiede zwischen gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und PKV und geben Ihnen - je nach Lebenslage - Tipps für die richtige Entscheidung. 

Natürlich erfahren Sie auch, unter welchen Umständen Sie wieder zurück in die gesetzliche Kasse kommen. Und wir klären Sie darüber auf, wie sich die Beiträge in der PKV zusammensetzen und wie Sie im Alter hohe Prämien umgehen können.

Das System der Krankenversicherung in Deutschland

In Deutschland besteht das System der Krankenversicherung aus zwei Systemen, die grundverschieden sind: der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung. Zudem kann der gesetzliche Versicherungsschutz über eine private Zusatzversicherung aufgestockt werden. Da die Auswahl an Tarifen immens ist, sollten Verbraucher vor dem Abschluss Anbieter und Leistungen vergleichen.

  • Gesetzliche Krankenkassen: Geringer Unterschiede gibt es bei Leistungen und beim Service. Durch unterschiedliche Zusatzbeiträge fallen auch die Beiträge seit 2015 unterschiedlich aus. 
  • Private Krankenversicherung: Ob kostengünstiger Einsteigerschutz oder leistungsstarker Premiumtarif - in der PKV können Sie selbst den Versicherungsumfang und damit den Beitrag festlegen. 
  • Private Krankenzusatzversicherung: Wer sich mit dem GKV-Schutz nicht zufrieden geben möchte, kann die Leistungen mit Zusatztarifen aufstocken. Vom ambulanten bis Zahnzusatztarif - die Möglichkeiten zur Ergänzung sind vielfältig.

Wissenswertes zur Krankenversicherung

In Deutschland sind ca. 89% der Bevölkerung gesetzlich krankenversichert. Privat krankenversichert sind 11% der Bewohner. Trotz der Versicherungspflicht sind etwa 0,2% der Berufstätigen nicht krankenversichert. Seit 2007 in der GKV bzw. 2009 in der PKV gibt es eine Verpflichtung für jeden Bürger, einen Krankenschutz nachzuweisen.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind Teil des deutschen Sozialversicherungssystems. Aufgrund des Solidarprinzips sind die Leistungen für alle Versicherten identisch, der Beitrag hängt vom Einkommen ab und das individuelle Krankheitsrisiko wird nicht berücksichtigt. Die Leistungen der Krankenkassen sind im Fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) festgelegt. Als Anbieter in der GKV fungieren die Krankenkassen. Der überwiegende Teil der Kassenversicherten sind Pflichtmitglieder. Darüber hinaus gibt es beitragsfrei mitversicherte Familienangehörige und freiwillig Versicherte. Aufsichtsbehörde für die GKV sind die jeweiligen Gesundheitsministerien der Bundesländer.

Die private Krankenversicherung arbeitet nach dem Äquivalenzprinzip, d.h. die Beiträge orientieren sich an den versicherten Leistungen und dem individuellen Krankheitsrisiko. Die rechtlichen Grundlagen für die PKV bilden das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) und das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG). Die PKV-Unternehmen unterliegen der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Privatversicherte erhalten eine Rechnung für jede Leistung, die sie in Anspruch nehmen. Es gilt das Kostenerstattungsprinzip.

Geschichte der Krankenkassen

 

Die Krankenversicherung wurde 1883 durch die Bismarcksche Sozialgesetzgebung entwickelt, um die Arbeitsklasse für den Staat zu gewinnen. Anfangs bestand die Pflichtversicherung nur für die Gruppe der Geringverdienenden. Da fast 70% der Leistungen vom Lohn des Arbeitgebers abhingen, wurden die Beiträge ebenfalls lohnabhängig geregelt. Seit 1911 besteht die gesetzliche Krankenkasse für Angestellte, wodurch sich die Mitgliederzahlen deutlich erhöhten. Private Krankenversicherungsträger entwickelten für Selbständige und Personen mit höherem Einkommen Angebote zur Absicherung der Krankheitsrisiken. Die Kalkulation und Beitragsberechnung der PKV unterscheidet sich in zahlreichen Merkmalen vom gesetzlichen System.

Wer darf wechseln?

Die Wechselmöglichkeiten aus der gesetzlichen in die private Kasse sind vom Gesetzgeber vorgegeben.

Beamte können frei zwischen GKV und PKV wählen. Allerdings erhalten Beamte einen Zuschuss, die sogenannte Beihilfe, von ihrem Dienstherrn zu den Krankheitskosten. Dieser Zuschuss, der in der Regel bei 50 Prozent der Krankheitskosten liegt, wird allerdings nur für privatversicherte Beamte gewährt. Daher rechnet sich für diesen Personenkreis die PKV. Für Beamte in der Ausbildung gibt es besonders günstige Anwärtertarife bei den privaten Kassen.

Hauptberuflich freiberuflich oder selbständig Tätige können ebenfalls frei entscheiden, ob sie sich einer gesetzlichen oder einer privaten Kasse anschließen. Allerdings zahlt dieser Personenkreis den vollen Beitrag ohne Arbeitgeberzuschuss aus der eigenen Tasche. Die Prämien in der GKV hängen von den Einkünften ab, in der PKV vom versicherten Tarif. Es empfiehlt sich ein umfassender Preis- und Leistungsvergleich.

Als Angestellter müssen Sie mit Ihrem Gehalt oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (2016: 56.250 Euro) liegen, um in die PKV wechseln zu können. Monatlich liegt die Einkommensgrenze bei 4.687,50 Euro bei zwölf Gehältern (bei 13 Gehältern: 4.326,92 Euro, bei 14 Gehältern: 4.017,86 Euro). Regelmäßige Zahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld zählen dazu. Sonderzahlungen oder die Umwandlung in eine Betriebsrente mindern das Bruttogehalt.

Nehmen Sie erstmalig ein Studium an einer deutschen Hochschule auf, besteht die Wahlmöglichkeit zwischen gesetzlichen und privaten Anbietern. Allerdings sind Sie für die Dauer des Studiums an diese Entscheidung gebunden. Es gibt dann also kein zurück mehr. Private Anbieter bieten spezielle Studententarife an. Sind beide Elternteile gesetzlich versichert, kann man sich dort in der Regel beitragsfrei versichern. Kinder von Beamten können sich besonders günstig privat versichern.

Sie haben eine Geschäftsidee und wollen eine neue Existenz gründen? Prüfen Sie vor allem die Optionen bei der Krankenversicherung. Denn sowohl gesetzliche als auch private Kassen bieten für diesen Personenkreis günstige Einstiegstarife an. Achten Sie im Fall der PKV aber vor allem auf die Leistungen. Denn oftmals verbergen sich hinter den günstigen Policen Tarife mit empfindlichen Lücken in der Versorgung. Im Krankheitsfall stehen mitunter hohe Zuzahlungen ins Haus.


Kasse oder privat? Der Vergleich

Jedes System hat seine eigenen Vorteile. Zu den Vorzügen der Privatversicherung zählen lebenslang garantierte Leistungen, Behandlungen durch Heilpraktiker, Kostenübernahme auch für teure Medikamente sowie das Einbettzimmer mit Chefarztbehandlung. Die gesetzlichen Kassen punkten weniger mit Leistungen, dafür mit einer sicheren Kalkulation der Beiträge: Die Prämien richten sich nach dem Einkommen. Wer weniger verdient, zahlt auch einen geringeren Beitrag. Und: Unter bestimmten Umständen sind Ehepartner und Kinder beitragsfrei mitversichert.

Grundsätzliche Unterschiede

  • Beitrag: In der GKV werden keine Rücklagen für steigende Gesundheitskosten gebildet. In der PKV spart jeder Versicherte durch die Bildung von Altersrückstellungen für künftige Kostensteigerungen.
  • Leistungen: In der GKV gilt dasWirtschaftlichkeitsgebot“ (§ 12 Abs. 1 SGB V):  „Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten.“ Für Versicherte besteht dadurch keine Wahlfreiheit, da die Leistungen vom Gesetzgeber festgelegt werden. Anders sehen die Regelungen für Privatversicherte aus: „Vergütungen darf der Arzt nur für Leistungen berechnen, die nach den Regeln der ärztlichen Kunst für eine medizinisch notwendige ärztliche Versorgung erforderlich sind.“ (§ 1 Abs. 2 GOÄ). Versicherte legen den Umfang der Leistungen selbst fest.
  • Leistungsumfang: Für Kassenpatienten gibt es ein „Regelleistungsvolumen“, d.h. es erfolgt eine Rationierung der Behandlung (§ 87 b Abs. 2 SGB V), da niedergelassene Ärzte nur ein gedecktes Gesamtbudget von den Kassen erhalten. Für die Verordnung von Medikamenten gilbt ebenfalls eine Rationierung (§ 106 Abs. 5a SGB V). In der PKV erfolgt die Abrechnung nach gesonderten Gebührenordnungen für Ärzte (GOÄ) und Zahnärzte (GOZ). Je nach Aufwand wird abgerechnet. Mit anderen Worten: Für Ärzte besteht eine Verordnungs- und Therapiefreiheit.

Leistungsunterschiede im Überblick

    GKV PKV
Krankenhausleistungen Klinik Behandlung ohne Mehrkosten nur in einem der zwei nächst erreichbaren zugelassenen Krankenhäuser Je nach Tarif frei wählbar, in der Regel freie Wahl unter allen Krankenhäusern (auch Privatkliniken)
  Unterbringung In der Regel Mehrbettzimmer Je nach Tarif Ein-, Zwei- oder Mehrbettzimmer
  Behandlung Behandlung durch Belegarzt oder Dienst habenden Arzt Je nach Tarif freie Arztwahl (Auch Spezialist / Chefarzt)
  Zuzahlung Zuzahlung von 10 €/Tag bis max. 28 Tage/Jahr Keine Zuzahlung
Beim Arzt Ambulante ärztl. Behandlung Ausschließlich durch Ärzte mit Kassenzulassung Freie Arztwahl
  Fahrten zum Arzt Nur in zwingend medizinisch notwendigen Fällen, nur nach Genehmigung. Zuzahlung: 10%, mind. 5 €, bis max. 10 € Je nach Tarif, z.B. auch bei Gehunfähigkeit
  Vorsorgeuntersuchungen Beschränkung auf gesetzlich festgeschriebene Vorsorgeuntersuchungen (mit Altersbegrenzung) Je nach Tarif, auch außerhalb gesetzlicher Programme und jährlich möglich
  Arznei- und Verbandmittel Soweit nicht von der Verordnung ausgeschlossen, gilt: Zuzahlung 10%, mind. 5 €, max. 10 € Erstattung in tariflich gewählter Höhe, d.h. bis 100% möglich
  Heilmittel Zuzahlung von 10 % plus 10 € Rezeptgebühr Erstattung in tariflich gewählter Höhe, d.h. bis 100% möglich
  Hilfsmittel Zuzahlungen zu allen Hilfsmitteln von 10 %, mind. 5 €, max. 10 €; nur in allgemein gebräuchlicher Ausführung Je nach Tarif in der Regel bei medizinischer Notwendigkeit ohne Einschränkung auf einen engen Hilfsmittelkatalog
  Sehhilfen Keine Leistungen, Ausnahmen gelten für Personen mit schweren Sehstörungen und Kinder In tariflich gewählter Höhe mitversichert
  Augen-Lasern Keine Leistungen für Lasik-Behandlungen Je nach Tarif mitversichert
  Heilpraktiker Keine Leistung Je nach Tarif mitversichert
Beim Zahnarzt Zahnärztl. Behandlung Einfache Versorgung, z.B. Amalgam Hochwertige Versorgung, keine Beschränkung auf bestimmte Materialien
  Zahnersatz Befundbezogene Festzuschüsse (50 % bis 65 % der einfachsten Versorgungsform), vorherige Genehmigung der Heil- und Kostenpläne durch die Kasse Keine Beschränkung auf einfache Versorgung. Erstattung in tariflich gewählter Höhe

Vor- und Nachteile von GKV und PKV

Ob gesetzlich oder privat krankenversichert - jedes System hat seine spezifischen Vor- und Nachteile. Je nach familiärer, beruflicher und gesundheitlicher Situation können das gesetzliche oder private System vorteilhaft sein. Die nachfolgende Übersicht enthält die zentralen Unterschiede beider Systeme:

Vorteile GKV

  • Beitragsfreie Familienversicherung für Angehörige ohne eigenes Einkommen
  • Beitrag richtet sich nach Einkommen
  • Geringere Beiträge im Rentenalter
  • Keine Gesundheitsprüfung
  • Kassenwechsel ohne Probleme möglich

Nachteile GKV

  • Leistungsbegrenzung und Wirtschaftlichkeitsgebot (§ 12 Abs. 1 SGB V)
  • Keine Transparenz bezüglich Kosten und durchgeführter Behandlungen
  • Gesundheitsreformen des Gesetzgebers führen zu Kürzungen
  • Keine Erstattung für Sehhilfen, Zahnersatz oder bestimmte Arzneimittel
  • Identische Leistungen bei allen Krankenkassen

Vorteile PKV

  • Freie Arzt- und Krankenhauswahl
  • Individuelle Tarifwahl
  • Beitragssenkung durch Selbstbeteiligung
  • Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit
  • Vertraglich garantierte Leistungen

Nachteile PKV

  • Wechsel des Anbieters mit finanziellen Verlusten
  • Beurteilung des Gesundheitszustandes vor Versicherungsbeginn
  • Keine Rückkehr in die GKV
  • Eigener Beitrag für Kinder und Familienangehörige
  • Hohe Prämien in der Rente

Leistungen in der PKV

Die Tarife können durch den Versicherten je nach individuellen Bedürfnissen kombiniert werden, um die geeignete Absicherung zu erhalten. Dabei können die ambulanten, zahnärztlichen und stationären Tarife kombiniert werden bzw. als Paket abgeschlossen werden. Durch eine Selbstbeteiligung lässt sich die Beitragshöhe variieren.

Je nach Gesellschaft und Tarif unterscheiden sich die Leistungen der PKV unterscheiden. Diese Leistungen können Versicherte z.B. auswählen:

  • Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus,
  • Freie Wahl der Klinik,
  • Behandlung durch den Chefarzt,
  • Zahnersatz (hochwertige Füllungen, Inlays, Kronen),
  • Sehhilfen (Brillen, Kontaktlinsen),
  • Alternative Behandlungsmethoden (z.B. Heilpraktiker),
  • Zuzahlungsfreie Massagen und Physiotherapie,
  • Psychotherapie.

Wie werden sich die Leistungen entwicklen?

Der medizinische Fortschritt und die steigende Lebenserwartung sind die Gründe für weiter steigende Gesundheitskosten. Davon sind beide Versicherungssysteme - gesetzliche und private Krankenversicherungen - betroffen. Um dem Kostendruck zu begegnen, hat der Gesetzgeber in der GKV in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Reformgesetze verabschiedet.

Dadurch wurden Leistungen eingeschränkt oder aus dem Leistungskatalog der GKV entfernt (z.B. Brillen). Da es für gesetzlich Krankenversicherte keine vertraglich garantieren Leistungen gibt, ist davon auszugehen, dass es künftig weitere Einschnitte im Leistungsumfang und / oder steigende Beiträge geben wird. 

Wie ist die Familie optimal krankenversichert?

Auf den ersten Blick erscheint die „beitragsfreie Familienversicherung“ der GKV als bessere Alternative. Denn unter bestimmten Voraussetzungen sind Ehepartner und Kinder ohne zusätzlichen Beitrag mitversichert. Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein:

  • Kinder: Bis 18 Jahre beitragsfreie Mitversicherung. Bis 23 Jahre nur, sofern die Kindern nicht erwerbstätig sind. Bis 25 Jahre, wenn sie sich noch in der Schul- oder Berufsausbildung befinden.
  • Ehepartner: Beitragsfrei mitversichert, wenn er über kein oder nur ein geringes eigenes Einkommen (z.B. bis max. 450 Euro) verfügt. 

Ist ein Elternteil jedoch privat versichert mit einem Gehalt oberhalb der Versicherungspflichtgrenze, sind die Kinder nur dann in der GKV beitragsfrei mitversichert, wenn der gesetzlich versicherte Ehepartner ein höheres Einkommen hat. Zudem gilt der einheitliche Leistungskatalog auch für Kinder. Eine höherwertige Absicherung, z.B. für Behandlungen im Krankenhaus, beim Heilpraktiker oder Zahnarzt, erhalten Sie nur mit einer privaten Zusatzversicherung. 

Privat mitversichern ab Geburt

In der PKV zahlen Sie für jedes Familienmitglied einen separaten Beitrag - je nach Versicherungsumfang. So kann es vorkommen, dass Ihr Gesamtbeitrag für die PKV auch mal oberhalb des GKV-Höchstbeitrages liegt. Kinder können Sie ab Geburt ohne Risikoprüfung mitversichern. Da die PKV-Prämien ohne Altersrückstellungen kalkuliert sind, sind die Beiträge deutlich geringer als bei Erwachsenen. 

Und: Der Arbeitgeberzuschuss gilt für alle Familienmitglieder. Der Zuschuss beträgt 50 Prozent des GKV-Höchstbeitrags.  

Beitragskalkulation in der PKV

Bei den privaten Krankenversicherungen erfolgt die Kalkulation der Beiträge im Vergleich zu den gesetzlichen Anbietern nach vollkommen anderen Kriterien. Gesetzliche Grundlage für die PKV bildet § 12 VAG. Dort ist festgelegt, wie die Prämien zu berechnen sind. So muss z.B. in jedem Tarif eine Altersrückstellung gegen steigende Kosten im Alter gebildet werden. 

Folgende Faktoren sind Teil Ihres PKV-Beitrags:

Risikobeitrag (= Kopfschaden)Je nach Alter fallen unterschiedliche Versicherungsleistungen an. Für jede Altersgruppe wird ermittelt, wie hoch der Leistungsbedarf ist. So lässt sich errechnen, wie hoch der Risikobeitrag (auch „Kopfschaden“ genannt) für jeden einzelnen Versicherten ist. Mit dem Risikobeitrag werden genau die vom Versicherer zu tragenden Kosten gedeckt. Mit zunehmendem Alter steigt der Beitrag an, weil die Kosten für Behandlungen und Versicherungsleistungen ansteigen.

NettobeitragDa es in der PKV keinen Anstieg der Beiträge allein aufgrund des Älterwerdens geben darf, gibt es den Nettobeitrag als durchschnittlichen Risikobeitrag über die voraussichtliche Versicherungsdauer. Versicherte in jungen Jahren zahlen daher einen höheren Beitrag, als sie im Schnitt an Krankheitskosten verursachen. Die im Beitrag enthaltene Altersrückstellung wird zur Deckung der höheren Krankheitskosten im Alter gebildet.

Bruttobeitrag: Der von Ihnen zu zahlende Beitrag setzt sich aus dem Nettobeitrag - bereinigt um folgende Faktoren - zusammen:

  1. Sicherheitszuschlag: Um Unsicherheiten, z.B. durch stark steigende Gesundheitskosten, die es trotz vorsichtiger Kalkulation geben kann, aufzufangen, wird eine Sicherheitsmarge in den Beitrag eingebaut.
  2. Kosten für Versicherungsbetrieb: Die Aufwendungen für die Antrags- und Leistungsbearbeitung, aber sich Provisionen und Verwaltung werden ebenfalls berücksichtigt.
  3. Zuschläge für den Standard-/Basistarif: Das Recht in einen PKV-Tarif zu wechseln, bei dem die Prämie den durchschnittlichen Höchstbeitrag der GKV nicht überschreitet, muss ebenfalls kalkulatorisch erfasst werden.

Durch die versicherungsmathematische Kalkulation der Beiträge ist sichergestellt, dass jede Gruppe von Versicherten ihre Leistungen selbst finanziert. Durch risikogerechte Beiträge werden individuelle Merkmale, wie z.B. Alter oder Vorerkrankungen, erfasst. Risikozuschläge sorgen dafür, dass Personen mit Vorerkrankungen auch einen Anspruch auf volle Versicherungsleistungen erhalten. Der Zuschlag fällt an, weil mit der Vorerkrankung im Durchschnitt höhere Versicherungskosten anfallen.

Warum wird die PKV immer teurer?

Die Medizin hat in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung durchlaufen. Neue Behandlungs- und Operationstechniken, neuartige Medikamente und die Alterung der Gesellschaft sorgen dafür, dass die Gesundheitskosten in Deutschland immer weiter ansteigen. Davon sind beide Versicherungssysteme, also GKV und PKV, gleichermaßen betroffen. Doch im Gegensatz zu den gesetzlichen Kassen sorgen die privaten Anbieter finanziell für das Alter vor. 

Folgende Gründe sind für den Kostenanstieg im Gesundheitswesen verantwortlich:

  • Behandlungsmethoden: Neue Behandlungsmethoden (z.B. Lasermedizin) lindern nicht nur Krankheiten, sondern sorgen auch für deutlich höhere Kosten. So kostet z.B. die Behandlung für einen Dialysepatienten im Schnitt über 40.000 Euro im Jahr. Auch technische Fortschritte bei Gelenk-OPs führen dazu, dass künstliche Hüften oder Kniegelenke häufiger als früher eingesetzt werden.
  • Operationsmethoden: Neue und kostenintensive OP-Techniken sorgen dafür, dass heutzutage viele Operationen auch bei über 80-Jährigen erfolgreich durchgeführt werden können. Gleichzeitig hat sich z.B. die Anzahl der Herzoperationen von 1980 auf heute verzehnfacht. Bei den Transplantationen von Nieren, Herzen und Leber sehen die Zahlen ebenfalls beeindruckend aus. 
  • Diagnosemethoden: Neue Verfahren wie die Kernspintomographie werden häufiger als Routineuntersuchung eingesetzt. Doppeluntersuchungen beim Hausarzt und dann im Krankenhaus wirken als Kostentreiber. Deutlicher Anstieg auch der kardiologischen Leistungen zur Diagnostik.
  • Preiserhöhungen bei Arzneimitteln: Sogenannte Scheininnovationen treiben die Kosten für Arzneimittel. So sind in der PKV die Leistungsausgaben für Arznei- und Verbandmittel in den letzten 10 Jahren um mehr als 85 Prozent gestiegen.
  • Demographische Entwicklung: Rückläufige Geburtenraten bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung sorgen für eine Alterung der Gesellschaft mit dramatischen Auswirkungen auf die Gesundheitskosten. Während heute das Verhältnis von Alt zu Jung bei 33 zu 100 liegt, also 33 Rentner auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter, wird sich dieses Verhältnis auf 65 zu 100 im Jahr verschlechtern.
  • Anstieg der Gesundheitskosten: Die steigende Lebenserwartung führt zu überproportional steigenden Gesundheitskosten. So stellt die Bevölkerungsgruppe der Über-65-Jährigen derzeit rund ein Fünftel der Bevölkerung, verursacht aber fast die Hälfte der Krankheitskosten.
  • Höhere Nachfrage nach Gesundheitsleistungen: Versicherte haben ein höheres Anspruchsdenken und nutzen vermehrt teurere Leistungen (z.B. Inlays im Zahnbereich). Die Zunahme von Zivilisations- und chronischen Krankheiten sorgen für wachsende Gesundheitskosten.
  • Höheres Angebot von Gesundheitsleistungen: Mehr Ärzte, mehr Therapeuten, Zunahme von Ausgaben für Heilmittel (vor allem Massagen und Krankengymnastik) sowie Verdopplung der herzchirurgischen Zentren in den letzten 20 Jahren.

Die Folge dieser Entwicklungen: Die Gesundheitsausgaben der privaten Krankenversicherer haben sich von 12 Milliarden Euro im Jahr 1998 auf 19,6 Milliarden Euro im Jahr 2008 um mehr als 50 Prozent erhöht. 

Um den Kostenanstieg zu bremsen, können Privatversicherte verschiedene Maßnahmen ergreifen:

  1. Konsequente Gesundheitsvorsorge
  2. Preisvergleiche, vor allem bei Behandlungen bei Zahnärzten
  3. Nachfrage nach preiswerten Arzneimitteln (Generika) bzw. kleineren Packungsgrößen
  4. Überprüfung von größeren Rechnungen durch den PKV-Anbieter

Aktuelle Tests und Testsieger

Focus-Money 38/2015: „Rundum versorgt“

Was wurde getestet?

Umfangreicher Test zur privaten Krankenversicherung von Focus-Money mit den Ratingexperten von Franke & Bornberg. Dabei werden die besten Tarife in den Kategorien Top-Schutz, ausgewogene Tarife und Klassik-Schutz ermittelt. Im aktuellen Test stehen die leistungsstarken Vollkasko-Tarife im Blickpunkt. Die Analyse wird in den Bereichen Leistungsqualität, Beitragshöhe und Finanzstärke des Versicherers durchgeführt. 

Wer bietet die besten Tarife?

  1. Hallesche: Tarif NK Bonus, Gesamtnote: 1,55
  2. Debeka: Tarif N, NC, Gesamtnote: 1,60
  3. HUK-Coburg: Tarif Komfort 2, Gesamtnote: 1,80

DISQ-Studie Private Krankenversicherer 04/2014

Was wurde getestet?

Im Rahmen der Studie untersuchte das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) 20 Unternehmen aus der privaten Krankenversicherung. Dabei wurden Leistungen und Service von Versicherern mit mindestens 80.000 Kunden bewertet. Der Service wurde an Hand von Telefon- und E-Mail-Anfragen sowie Internetauftritt bewertet. Die Leistungsanalyse wurde in Zusammenarbeit mit dem Ratingunternehmen Franke & Bornberg erstellt.

Wer sind die Testsieger?

Gesamtergebnis

  1. Barmenia
  2. Münchener Verein
  3. SDK
  4. Deutscher Ring
  5. HUK-Coburg 

Testsieger bei Servicequalität

  1. Münchener Verein
  2. SDK
  3. Barmenia
  4. HUK-Coburg
  5. Hallesche

Testsieger der Leistungsanalyse

  1. Barmenia
  2. Deutscher Ring
  3. Debeka
  4. Allianz
  5. Gothaer

Finanztest 05/2014: „Gesetzlich oder privat?“

Was wurde getestet?

Aktueller Preis- und Leistungsvergleich von 32 Gesellschaften. Die Aufteilung der Testergebnisse erfolgte an Hand der Berufsgruppen Angestellte (38 Tarife), Beamte (24 Tarife) und Selbständige (45 Tarife). Die Stiftung Warentest gibt Mindestleistungen für ambulante, stationäre und Zahnleistungen vor. 

Wer sind die Testsieger?

Tarife für Angestellte

Rang 1: HUK-Coburg - Note: Sehr gut (1,4)
Rang 2: Provinzial Hannover - Note: Sehr gut (1,5)
Rang 3: Nürnberger - Note: Gut (1,8)
Rang 4: Gothaer - Note: Gut (2,1)
Rang 5: Debeka - Note: Gut (2,2)

Tarife für Beamte

Rang 1: Concordia - Note: Sehr gut (0,5)
Rang 2: HUK-Coburg - Note: Sehr gut (1,2)
Rang 3: Debeka - Note: Gut (1,8)
Rang 4: Pax-Familienfürsorge - Note: Gut (2,1)
Rang 5: Alte Oldenburger - Note: Gut (2,3)

Tarife für Selbständige

Rang 1: Provinzial Hannover - Note: Sehr gut (1,5)
Rang 2: Bay. Beamtenkrankenkasse - Note: Gut (1,7)
Rang 3: HUK-Coburg - Note: Gut (1,8)
Rang 4: HanseMerkur - Note: Gut (2,1)
Rang 5: UKV - Note: Gut (2,1)

Zukunft des Gesundheitssystems - Quo vadis Krankenversicherung?

Die Zukunft des Gesundheitssystems ist ungewiss. Der medizinische Fortschritt und der demographische Wandel sorgen für ein stetiges Ansteigen der Gesundheitskosten. Der Gesetzgeber hat bereits reagiert und das Leistungsspektrum bei den gesetzlichen Krankenkassen reduziert. Doch auch die privaten Krankenversicherer stöhnen unter der Last der Kostenentwicklung.

Die Deutschen geben jeden zehnten Euro für die Gesundheit aus - mit steigender Tendenz. Die Gesundheitsausgaben machen mehr als 10 Prozent des Bruttosozialprodukts aus. Wie soll man den steigenden Kosten in der Krankenversicherung begegnen? Welche Leistungen sollen künftig von den Kassen noch bezahlt werden? Die Politik wird Antworten finden müssen zur Zukunft der Gesundheitsversorgung in Deutschland.