Welche Krankenversicherung für Selbstständige und Freiberufler?

Vergleich von GKV und PKV

Sie haben sich selbstständig gemacht und müssen sich krankenversichern? Als Selbstständiger oder Freiberufler haben Sie die Wahl zwischen gesetzlichen und privaten Kassen. Doch Vorsicht: Ihre Entscheidung sollten Sie nicht allein vom Beitrag abhängig machen. Persönliche Lebenssituation, Leistungen und Ihre Finanzen spielen eine wichtige Rolle. GKV oder PKV - Vorteile, Kosten und Tipps rund um die Krankenversicherung.

Rückkehr in die GKV

Wenn Sie in die gesetzliche Krankenkasse zurückkehren möchten, klappt dies nur, wenn Sie eine versicherungspflichtige Beschäftigung als Arbeitnehmer aufnehmen und das Gehalt unter der Einkommensgrenze liegt. Aber: Haben Sie das 55. Lebensjahr bereits überschritten, ist der Wechsel aus der PKV in die GKV per Gesetz ausgeschlossen. Der Weg zurück in die gesetzliche Kasse funktioniert dann nur noch über die Familienversicherung des Ehepartners.

Was zahlen Selbständige in der GKV?

Die gesetzliche Krankenversicherung richtet den Beitrag an Ihren Einnahmen aus. Grundsätzlich zahlen Sie als Selbständiger oder Freiberufler den Höchstbeitrag, weil als Einnahme die Beitragsbemessungsgrenze (2017: 4.350 Euro) herangezogen wird. Einnahmen sind - einfach gesprochen - Umsatz abzüglich Betriebsausgaben. 

Nur wenn Sie geringere Einkünfte nachweisen können, ist eine Reduzierung des Beitrags möglich. Als „Mindesteinkommen“ bzw. Mindestbemessungsgrundlage ziehen die Krankenkassen in 2015 einen Wert von 2.231,25 Euro (75 Prozent der Bezugsgröße) heran. Auf diesen Wert wird der Beitragssatz mindestens erhoben (§ 240 Abs. 4 Satz 2 SGB V). Einzige Ausnahme: Erhalten Sie einen Gründungszuschuss (§ 57 SGB III) oder können Sie eine soziale Härte nachweisen, ist der Beitrag auf 50 Prozent der monatlichen Bezugsgröße begrenzt.

Übersicht zu GKV-Beiträgen für Selbständige in 2017

  • Höchstbeitrag mit Krankengeldanspruch: 746,03 Euro zzgl. Zusatzbeitrag
  • Höchstbeitrag ohne Krankengeldanspruch: 719,23 Euro zzgl. Zusatzbeitrag
  • Mindestbeitrag hauptberuflich Selbständige (mit Krankengeld): 382,66 Euro zzgl. Zusatzbeitrag
  • Mindestbeitrag hauptberuflich Selbständige (ohne Krankengeld): 369,27 Euro zzgl. Zusatzbeitrag
  • Mindestbeitrag Selbständige mit Gründungszuschuss bzw. Härtefallregelung (mit Krankengeld): 255,11 Euro zzgl. Zusatzbeitrag
  • Mindestbeitrag Selbständige mit Gründungszuschuss bzw. Härtefallregelung (ohne Krankengeld): 246,18 Euro zzgl. Zusatzbeitrag

Hinzu kommen die Kosten für die Pflegeversicherung. 

Was kostet die gesetzliche Krankenkasse bei geringem Einkommen?

In der gesetzlichen Krankenversicherung bemisst sich der Beitrag an Ihrem Arbeitseinkommen. Doch was passiert, wenn durch einen Gewinneinbruch die monatlichen Einnahmen drastisch zurückgehen? Grundlage für die Beitragszahlung in der GKV ist der letzte Einkommensteuerbescheid. Daher wirken sich kurzfristige Einkommensänderungen nicht auf den Beitrag aus.

Aber: Wenn Sie einen Gewinneinbruch nachweisen können, kann die Krankenkasse Ihre Beiträge auch kurzfristig senken. Dazu muss das geschätzte Arbeitseinkommen um mehr als ein Viertel geringer ausfallen als das Einkommen aus dem letzten Steuerbescheid. Den Nachweis für das geringere Einkommen erbringen Sie mit dem Vorauszahlungsbescheid zur Einkommensteuer. Der GKV-Beitrag wird ab dem Folgemonat reduziert, nachdem Sie den Antrag gestellt und alle Nachweise vorgelegt haben.  

Welchen Beitrag zahlen Existenzgründer in der GKV?

Existenzgründer zahlen einen geringeren Beitrag für die Krankenversicherung als langjährige Selbstständige, sofern Sie einen Gründungszuschuss von der Agentur für Arbeit erhalten. Grundlage für die Beitragsberechnung ist die Mindestbemessungsgrundlage von 1.487,50 Euro. Daraus ergeben sich folgende Mindestbeiträge:

  • GKV-Beitrag (ohne Krankengeld) von 14,0%: 203,35 Euro
  • Pflegeversicherung 2,35%: 34,13 Euro
  • Pflegeversicherung für Kinderlose 2,60%: 37,33 Euro

Doch Vorsicht: Da bei Existenzgründern noch kein Steuerbescheid zu Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit vorliegt, müssen Sie Ihre Einnahmen schätzen. Auf dieser Basis berechnet die Krankenkasse die Beiträge. Zu viel gezahlte Beiträge werden erstattet. Stellt sich jedoch heraus, dass Ihre Einnahmen höher ausgefallen sind, müssen Sie Beiträge nachzahlen!

Kündigungsfristen beim Wechsel in die PKV

Wenn Sie sich für einen Übertritt in die private Krankenversicherung entschieden haben, müssen Sie Ihre GKV-Mitgliedschaft kündigen. Dabei gelten folgende Fristen:

  • Selbstständiger ist freiwillig versichert: Sind Sie bereits freiwilliges Mitglied in der GKV, können Sie zum Ende des übernächsten Kalendermonats kündigen (§ 175 Abs. 4 SGB V). Beispiel: Sie kündigen Ihre Mitgliedschaft am 15.05.2017. Die GKV-Mitgliedschaft endet zum 31.07.2017. 
  • Statuswechsel: Waren Sie vor Beginn der selbstständigen Tätigkeit versicherungspflichtig in der GKV versichert (z.B. als Arbeitnehmer), können Sie sich durch den Statuswechsel für die freiwillige Weiterversicherung in der GKV oder mit Beginn der Selbstständigkeit gleich für die PKV entscheiden. Dafür haben Sie ab Beginn zwei Wochen Zeit. Ansonsten gilt die herkömmliche Kündigungsfrist wie oben.

Achtung: Die Kündigung der Krankenversicherung tritt nur in Kraft, wenn Sie der alten Krankenkasse innerhalb der gesetzlichen Kündigungsfrist den Nachweis einer sich anschließenden Krankenversicherung nachweisen können. 

Familienversicherung bei Teilzeitbeschäftigung

Üben Sie Ihre selbstständige Tätigkeit nur in Teilzeit aus, können Sie in der in der beitragsfreien Familienversicherung bleiben. Dafür darf Ihr Gesamteinkommen aus dieser Tätigkeit im Jahr 2015 nicht über 405 Euro im Monat liegen.

Ist die private Krankenversicherung eine sinnvolle Alternative?

Als Selbständiger und Freiberufler können Sie sich auch für die private Krankenversicherung (PKV) entscheiden. Das System der PKV funktioniert jedoch nach anderen Prinzipien als die GKV. Wichtig ist es für Sie als Unternehmer, die Unterschiede genau zu kennen, um eine Entscheidung zu treffen. Denn die Rückkehr in die gesetzliche Kasse ist schwierig. 

In der PKV profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

  • Flexible Tarifgestaltung
  • Höhere Gesundheitsleistungen
  • Schnelle Terminvergabe beim Arzt
  • Vertraglich garantierte Leistungen
  • Altersrückstellungen gegen steigende Beiträge im Alter

Dem stehen jedoch folgende Nachteile gegenüber:

  • Beiträge orientieren sich nicht am Einkommen
  • Keine Familienversicherung
  • Keine Rückkehr in die GKV für über 55-Jährige

Was kosten PKV-Tarife für Selbstständige und Freiberufler?

Als Privatversicherter hängt Ihr Beitrag vom Eintrittsalter und den versicherten Leistungen und nicht vom Einkommen ab. Daher gilt: Jüngere und gesunde Kunden zahlen weniger als ältere Bewerber. Wünschen Sie z.B. das Einzelzimmer und die Chefarztbehandlung im Krankenhaus, zahlen Sie mehr als jemand mit  Mehrbettzimmer und Belegarzt. Mit einer Selbstbeteiligung können Sie die monatliche Prämie deutlich verringern, müssen aber die Arztrechnungen bis zu dieser Höhe aus der eigenen Tasche zahlen.

Wichtig: Eine Familienversicherung gibt es nicht. Nicht berufstätige Ehepartner und Kinder müssen separat gegen eigenen Beitrag versichert werden. Dadurch kann die PKV schon mal teurer als die gesetzliche Kasse werden.

Je nach Tarifgestaltung können Selbständige in der Privaten deutlich weniger zahlen als in der GKV.

PKV-Preisvergleich für Existenzgründer

In der privaten Krankenversicherung entscheiden Sie selbst, wie umfangreich der Versicherungsschutz sein soll. Höhere Leistungen führen zu einem höheren Beitrag. Anders herum gesagt: Wer einen günstigen Krankenversicherungsschutz haben möchte, kann in der PKV auf privatärztliche Leistungen verzichten. Eine hohe Selbstbeteiligung verringert die monatliche Prämie. 

Nachfolgend erhalten Sie die Übersicht über die günstigsten PKV-Tarife im Jahr 2015 für Selbstständige:

So viel kosten PKV-Tarife 2015

Anbieter Tarif Selbstbeteiligung in EUR Beitrag in EUR
HanseMerkur KVS1, T43, PVN 500 253,67
Württembergische ESU 900, KTU 43, PVN 900 254,68
VK Bayern CP-Start 900 (A), TAG 43, PVN 900 276,82
Continentale ECONOMY-U, V43-U, PVN Fallbezogene SB 278,94
UKV CP-Start 900 (A), KT 43, PVN 900 281,82

Berechnungsvorgaben: Mit Primärarzttarifen, Selbstbehalt 500-1.000 EUR, Mehrbettzimmer, Tagegeld 50 EUR ab dem 43. Tag.

Quelle: PKV Lotse von Softfair, Stand 07/2015.

Praktische Empfehlungen zur privaten Krankenversicherung

Rücktritts-/Widerrufsrecht

Der Rücktritt vom PKV-Vertrag kann innerhalb von 14 Tagen nach Unterzeichnung des Vertrags erfolgen.

Wartezeit

Grundsätzlich gilt eine Wartezeit zwischen Vertragsbeginn und Eintritt des Versicherungsschutzes für private Kranken(zusatz)versicherungen von drei Monaten. Für Zahnleistungen gelten besondere Wartezeiten von acht Monaten. In der Regel können die Vorversicherungszeiten der GKV angerechnet werden.

Vorerkrankungen

Wesentliche Erkrankungen müssen bei Antragstellung angegeben werden. Erfolgt dies nicht, ist der Versicherungsschutz gefährdet. Vorerkrankungen führen in der Regel zu einem Risikozuschlag.

Kündigung

Versicherungsnehmer können einen PKV-Vertrag unter Einhaltung der Kündigungsfrist kündigen. Grundsätzlich gilt eine Mindestvertragslaufzeit von einem Jahr. Aufgrund der Versicherungspflicht ist eine Kündigung jedoch nur wirksam, wenn eine Anschlussversicherung nachgewiesen werden kann.

Altersrückstellung

Private Krankenversicherer bilden für jeden Kunden eine Altersrückstellung gegen steigende Kosten im Alter. Für die Rückstellungen gilt ein gesetzlicher Rechnungszins von 3,5 Prozent (bei Neuverträgen 2,5-2,75 Prozent). 90 Prozent der über dem Zins erwirtschafteten Erträge müssen ebenfalls den Altersrückstellungen zugeführt werden. Zusätzlich zahlen alle Versicherten einen 10 Prozent-Zuschlag auf den Tarifbeitrag zum Aufbau einer finanziellen Reserve im Alter.

Beitragsanpassung

Die Prämien bei den Privatversicherern können angehoben werden. Jeder Tarif wird einmal jährlich überprüft. Dazu werden die Kosten den Einnahmen gegenübergestellt. Bei Abweichungen von fünf Prozent und mehr kommt es zu Prämienanpassungen. Ein unabhängiger Treuhänder muss jede Beitragsänderung genehmigen.

Weiterführende Informationen:

Webseite des Verbandes der privaten Krankenversicherung e.V.

Serviceportal für Privatversicherte

Sonderregelungen für Künstler und Publizisten

Eine Sonderregelung greift, wenn Sie als selbstständiger Künstler oder Publizist tätig sind. Sie fallen nach den Bestimmungen des Künstlersozialversicherungsgesetzes (KSVG) grundsätzlich unter die Versicherungspflicht der GKV. Hintergrund sind die unregelmäßigen und schwankenden Einkünfte dieses Personenkreises.

Wer fällt in die Künstlersozialversicherung?

In der Künstlersozialkasse sind Personen versichert, die nicht nur vorübergehend selbstständig sind und

  • Musik,
  • darstellende oder bildende Kunst schaffen, ausüben oder lehren oder als
  • Schriftsteller oder Journalist tätig sind.

Die Prüfung der Versicherungspflicht wird von der Künstlersozialkasse in Wilhelmshaven übernommen. Als Künstler sind Sie weiterhin bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse versichert. 

Befreiung von GKV-Pflicht

Künstler und Publizisten können sich von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse befreien lassen. Dazu müssen folgende Voraussetzungen vorliegen:

1. Erstmalige Aufnahme einer künstlerischen Tätigkeit

Können Sie als Berufsanfänger den Nachweis einer privaten Krankenversicherung erbringen, können Sie sich auf Antrag von der GKV-Pflichtmitgliedschaft befreien lassen. Wichtig: Der Antrag auf Befreiung muss innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der Beschäftigung bei der Künstlersozialkasse gestellt werden.

2. Bei laufender künstlerischer Tätigkeit

Eine Befreiung von der Versicherungspflicht ist ebenfalls möglich, wenn das Arbeitseinkommen in drei aufeinander folgenden Kalenderjahren oberhalb der Summe der Jahresarbeitsentgeltgrenze aus diesen Jahren liegt. Die Antragstellung muss stets bis zum 31. März des auf den 3-Jahres-Zeitraum folgenden Jahres erfolgen.

Sind Sie als Künstler oder Publizist von der GKV-Versicherungspflicht befreit, erhalten Sie einen Beitragszuschuss für die PKV von der Künstlersozialkasse. Der Zuschuss liegt bei der Hälfte des Beitrages, der bei Versicherungspflicht zu zahlen wäre, maximal jedoch die Hälfte des tatsächlich zu zahlenden Beitrags.

Beiträge für Krankenversicherung in Steuererklärung

Beiträge für eine gesetzliche oder private Krankenversicherung zählen zu den Sonderausgaben, die Sie in der Steuererklärung angeben können. Beiträge, die der sogenannten Basiskrankenversicherung (=GKV-Niveau) entsprechen, sind voll steuermindernd anzusetzen. In der PKV sehen die Tarife in der Regel Leistungen vor, die über das Grundniveau hinausgehen. So sind z.B. das Zweibettzimmer im Krankenhaus oder die Behandlungen für Heilpraktiker bei der Steuer außen vor.

Im Schnitt sind 80 Prozent der PKV-Beiträge als steuermindernde Ausgaben absetzbar. Die Pflegepflichtversicherung ist zu 100 Prozent abzugsfähig. Sind Sie gesetzlich krankenversichert gelten ebenfalls die Ausgaben für Basisaufwendungen als abzugsfähig. Wahlleistungen wie das Krankengeld können nicht in der Steuererklärung angegeben werden.

Tipp für Privatversicherte: Die Senkung einer Selbstbeteiligung kann sich rechnen. Zwar führt dies zunächst zu einem höheren Beitrag, kann aber durch eine höhere Steuerersparnis aufgefangen werden. 

Beispiel für die Steuerersparnis in der PKV

Monatsbeitrag PKV 400,00 EUR
Absetzbarer Anteil (79,59%) 318,36 EUR
Monatsbeitrag Pflegeversicherung 45,00 EUR
Absetzbarer Anteil (100,00%) 45,00 EUR
Monatlich absetzbarer Gesamtbeitrag 363,36 EUR
Steuerersparnis pro Monat (Grenzsteuersatz 42%) 152,61 EUR
Monatlicher Effektivbeitrag für die PKV 292,39 EUR

Wichtiger Hinweis: Die hier aufgeführten Informationen und Tipps stellen keine verbindliche steuerliche Auskunft dar und ersetzen keine steuerliche Beratung durch dafür zugelassene Personen. Im Zweifel fragen Sie bitte Ihren Steuerberater.