Lohnt sich ein Wechsel der privaten Krankenversicherung?

PKV-Tarifwechsel bei Beitragserhöhung - So wechseln Sie richtig

Als gut verdienender Angestellte oder Selbstständiger bedeutet ein Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) in der Regel eine deutliche Beitragsersparnis. Doch Vorsicht: Wer aus der GKV in die PKV wechselt, sollte einige Fallstricke beachten. Dies gilt auch für langjährig Privatversicherte, die einen Tarifwechsel innerhalb der eigenen Gesellschaft vornehmen möchten.

Aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln

PKV: Günstige Tarife und bessere Leistungen?

Für Berufsanfänger mit einem hohen Gehalt ist der Umstieg aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung verlockend. Anstelle des Höchstbeitrags von rund 730 Euro und Kassenleistungen bietet die Private günstige Tarife für 400 Euro im Monat an - bei gleichzeitig besseren Leistungen. Wer kommt da nicht ins Grübeln?

Aber: Wer den Wechsel aus der GKV in die PKV allein unter dem Gedanken vollzieht, Geld sparen zu wollen, handelt kurzsichtig. Denn es gelten grundsätzlich andere Spielregeln bei den Privaten. Wenn man bestimmte Punkte jedoch beachtet, kann sich der Übertritt in das Privatsystem langfristig rechnen. Wir wollen Ihnen die wichtigsten „Knackpunkte“ erläutern und Ihnen die „Angst“ vor einem Wechsel in die PKV nehmen.

GKV-PKV-Wechsel - Tipps bevor Sie eine gesetzliche Krankenkasse verlassen

  • Familienplanung:
    In der PKV gibt es keine beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartner oder Kindern. Jede Person muss in der PKV einen Beitrag entrichten. Daher: Die Private ist vor allem für Singles und Doppelverdiener interessant. 
  • Gesundheitszustand:
    Bei Antragstellung müssen Sie in der PKV Ihre Vorerkrankungen angeben. Dies kann dazu führen, dass sich der Beitrag erhöht. Übrigens: Verschweigen Sie eine Erkrankung, kann der Versicherer im Leistungsfall vom Vertrag zurücktreten. 
  • Tarifauswahl:
    Die privaten Anbieter bieten eine Vielzahl an Tarifen an. Vergleichen Sie Preis und Leistung und legen im Vorfeld fest, welcher Schutz Ihnen im Krankenhaus, beim Zahnarzt und im ambulanten Bereich wichtig ist. 
  • Rückkehr in die GKV:
    Ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenkasse ist nur möglich, wenn Sie erneut versicherungspflichtig werden. Dies ist der Fall, wenn das Gehalt unter die Einkommensgrenze sinkt oder Arbeitslosengeld beziehen. Achtung: Wer das 55. Lebensjahr überschritten hat, kann nicht mehr zurück in die GKV.
  • Beitrag:
    Private Versicherer kalkulieren die Prämien an Hand von Einnahmen und Ausgaben. Verdienen Sie weniger, zahlen Sie in der PKV nicht automatisch weniger wie in der GKV. Kalkulieren Sie Beitragssteigerungen mit ein und bilden Sie von der Ersparnis zur GKV finanzielle Rücklagen für das Alter.

Mythos Rente: Kann ich mir die PKV im Alter leisten?

Zu den größten Ängsten im Zusammenhang mit einem PKV-Wechsel zählen die Beiträge im Rentenalter. Medienberichte von Ruheständlern, deren Rentenbezüge vollständig von der Privaten aufgezehrt werden, sorgen für Verunsicherung. Dabei hilft ein Blick auf die Krankenkassenbeiträge von gesetzlichen und privaten Kassen im Rentenalter. 

Vergleich der Krankenkassenbeiträge eines Rentners

  Einnahmen GKV-Beitrag als Pflichtmitglied (KVdR) GKV-Beitrag als freiwilliges Mitglied PKV-Beitrag
Gesetzliche Rente 1.400,00 € 249,90 € 249,90 € -
Versorgungsbezüge (z.B. Betriebsrente) 700,00 € 124,95 € 124,95 € -
Sonstige Einnahmen (z.B. Miete) 1.200,00 € - 207,00 € -
Betriebliche Altervorsorge (z.B: Direktversicherung) Einmalig 60.000,00 € 89,25 € (begrenzt auf 10 Jahre) 89,25 € (begrenzt auf 10 Jahre) -
Vorläufiger Gesamtbeitrag   464,10 € 671,10 € 497,80 €
Zuschuss Rentenversicherungsträger   102,20 € 102,20 € 102,20 €
Eigenanteil als Rentner   361,90 € 568,90 € 395,60 €

Gesetzlich versicherte Rentner zahlen den vollen Beitragssatz zuzüglich des kassenindividuellen Zusatzbeitrags auf gesetzliche und Betriebsrenten sowie sonstige Einkünfte. Auch auf Auszahlungen aus einer Direktversicherung wird ein GKV-Beitrag erhoben. 

Bei privatversicherten Rentnern ist der zu Rentenbeginn erreichte Beitrag zu zahlen. Aber:

  • Der gesetzliche Vorsorgezuschlag zur Beitragsentlastung entfällt ab dem 60. Lebensjahr und stabilisiert die PKV-Beiträge ab dem 65. Lebensjahr.
  • Mit Rentenbeginn entfällt der Beitrag für das Krankentagegeld.
  • Der Beitragszuschuss durch die Deutsche Rentenversicherung Bund reduziert die Prämie.
  • Der Beitrag sinkt überproportional bei Erhöhung der Selbstbeteiligung oder internem Tarifwechsel.
  • Die beiden Sozialtarife in der PKV (Standard- und Basistarif) stellen möglicherweise eine günstige Alternative dar.

Hintergrund: Beitragsbemessungsgrenze & Versicherungspflichtgrenze

Zwei wichtige Begriffe mit Bezug zur privaten Krankenversicherung sind die Beitragsbemessungsgrenze (auch: Beitragsbemessungsgrundlage, Bemessungsgrenze oder BBG) und die Versicherungspflichtgrenze (auch: Jahresarbeitsentgeltgrenze, JAEG).

Beitragsbemessungsgrenze: Hierbei handelt es sich um das maximale Bruttoeinkommen, bis zu dem Beiträge an die gesetzlichen Krankenkasse (GKV) gezahlt werden müssen. Für die PKV ist die BBG bedeutsam für den Maximalbeitrag im Basistarif.

Versicherungspflichtgrenze: Dieser Schwellenwert markiert das Bruttoeinkommen, das ein Arbeitnehmer mindestens verdienen muss, um aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln zu können. Liegt das Gehalt unterhalb dieser Grenze, besteht nur die Möglichkeit, sich in der GKV zu versichern.

Innerhalb der privaten Krankenversicherung wechseln

Von PKV zu PKV wechseln - Tipps bevor Sie die private Krankenversicherung wechseln

  • Neue Gesundheitsprüfung
    Der Wechsel zu einem anderen PKV-Anbieter führt zwangsläufig zu einer erneuten Gesundheitsprüfung. Nicht ausgeheilte Verletzungen oder Krankheiten führen zu einem Beitragszuschlag. Auch hier gilt: Verschweigen Sie ein „Zipperlein“, kann der Anbieter vom Vertrag zurücktreten. 
  • Höheres Eintrittsalter
    Jeder Versicherer berechnet die Prämien nach dem Eintrittsalter bei Vertragsbeginn. Je älter Sie bei Antragstellung sind, desto höher fällt der Beitrag aus. Wenn Sie bereits länger als fünf Jahre privat versichert sind, ist der neue Beitrag im Schnitt um 10 bis 15 Prozent höher.
  • Verlust der Altersrückstellungen
    Jede private Krankenversicherung bildet Rückstellungen für das Alter, damit die Prämien in der Rente stabil gehalten werden können. Ein Wechsel des Anbieters bedeutet, dass diese angesparten Gelder komplett verloren gehen, wenn Sie schon vor dem 1.1.2009 Mitglied einer PKV waren. Haben Sie Ihren Vertrag nach dem 1.1.2009 geschlossen, können Sie einen großen Teil der Altersrückstellungen bei einem Wechsel mitnehmen. Allerdings geht Ihnen im Schnitt 25 Prozent des angesparten Kapitals verloren.

Ist der Anbieterwechsel eine Alternative?

Für den Versichererwechsel gibt es eigentlich nur zwei Gründe: Zu hohe Beitragssteigerungen und Unzufriedenheit mit Leistungen und Service. Wenn beide Punkte nicht auf Sie zutreffen, bleiben Sie Ihrem Versicherer treu und wechseln lediglich den Tarif. Für alle anderen kann es sich durchaus rechnen, einen Anbieterwechsel in Erwägung zu ziehen. Dies hängt von zwei Faktoren ab:

  • Wie lange sind Sie bereits bei Ihrem Anbieter versichert?
  • Wie hoch waren die Beitragserhöhungen in den letzten Jahren?

Bei einer Versicherungsdauer bis 6 Jahre kann sich ein Wechsel der privaten Krankenversicherung lohnen. Die angesparten Altersrückstellungen können beim Umstieg auf einen anderen Anbieter zum Teil übertragen werden. Mussten Sie überdurchschnittliche Prämienanpassungen von 5 Prozent und mehr pro Jahr hinnehmen? Dann kann sich selbst ein höherer Beitrag beim neuen Versicherer schnell bezahlt machen, wenn der neue Tarif lediglich um 3 oder 4 Prozent im Jahr angepasst wird.

Erkundigen Sie sich deshalb nach den Beitragsanpassungen in den letzten Jahren. Einen Hinweis liefern zudem aktuelle Bilanzdaten. Aber: In der Regel können nur Versicherungsexperten die Kennzahlen interpretieren. 

Option für Privatversicherte: Wie sinnvoll ist der Tarifwechsel?

Flexibilität für Privatversicherte bietet der § 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Sind Sie bereits privat versichert, haben Sie das Recht, in einen günstigeren Tarif innerhalb der eigenen Gesellschaft zu wechseln. Der große Vorteil besteht darin, dass bereits angesammelte Rückstellungen für die Rente mitgenommen werden können und keine Gesundheitsprüfung anfällt. Auf diese Weise können Sie steigenden Beiträgen begegnen. Darauf sollten Sie achten:

  • Der Tarifwechsel ist für Privatversicherte kostenlos.
  • Beiträge können deutlich sinken, ohne Leistungen zu verringern.
  • Überprüfen Sie Ihren Tarif alle 5 bis 10 Jahre.
  • Nutzen Sie einen spezialisierten PKV-Berater bzw. Versicherungsmakler.

 

Oftmals führen die Anbieter folgende Gründe an, die gegen einen internen Tarifwechsel sprächen:

  • „Es gibt keinen günstigeren Tarif.“
  • „Der neue Tarif beinhaltet höherwertige Leistungen. Aufgrund Ihres Gesundheitszustandes können wir Ihnen den Wechsel nicht anbieten.“
  • „Der Tarifwechsel führt zu einem hohen Risikozuschlag und ist daher für Sie nicht interessant.“

 

Ihre Rechte beim internen Tarifwechsel (§ 204 VVG)

  • Sie haben das Recht, bei Ihrem Versicherer in einen anderen Tarif zu wechseln - mit gleichen oder schlechteren Versicherungsleistungen.
  • Wollen Sie in einen Tarif mit höheren Leistungen umsteigen, kann der Versicherer einen Risikozuschlag verlangen oder den Umstieg ablehnen.
  • Aber: Sie können die Mehrleistungen des neuen Tarifs ausschließen und eine erneute Gesundheitsprüfung vornehmen, um nachzuweisen, dass Ihr Gesundheitszustand den Wechsel erlaubt.

Neuer Leitfaden zum Tarifwechsel ab 2016

Der PKV-Verband hat einen neuen Wechselleitfaden veröffentlicht, der für einen Großteil der Anbieter ab dem 1. Januar 2016 gelten soll. Die teilnehmenden Versicherer verpflichten sich darin zu mehr Transparenz und Schnelligkeit bei Anfragen zum Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft.

So sollen die Interessenten durch den Versicherer individuell zu ihren Möglichkeiten beraten werden. Durch Gegenüberstellung der Leistungen des Alt- und Neutarifs soll ein schneller Überblick über die Änderungen möglich sein. 

Ein großes Problem stellt die Tarifvielfalt in der PKV dar. Daher werden Kunden künftig über jegliche mögliche Tarifalternativen informiert. Dies beinhaltet Tarif mit Mehr- und Minderleistungen. In diesem Zusammenhang will die Branche insbesondere langjährige Versicherte auf die Problematik eines Umstiegs von einem Bisex- in einen Unisextarif hinweisen. 

Und was ist mit den Sozialtarifen in der PKV?

Bei finanziellen Schwierigkeiten gibt es für Privatversicherte Möglichkeiten, den Tarif umzustellen. Bezahlbare Beiträge bei einer Grundversicherung gibt es in den beiden Sozialtarifen - dem Standard- und dem Basistarif. Diese Tarife werden von jedem PKV-Unternehmen angeboten. Die Leistungen beider Tarife sind brancheneinheitlich geregelt und gelten für jeden Versicherer.

Der Standardtarif steht langjährigen Privatversicherten offen, die bereits vor 2009 in einer PKV versichert waren. Folgende Personen können sich versichern:

1. Versicherte mit Vollendung des 65. Lebensjahres.

2. Versicherte mit Vollendung des 55. Lebensjahres, wenn das Einkommen die aktuelle Beitragsbemessungsgrenze nicht übersteigt.

3. Versicherte, die jünger als 55 Jahre sind und eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder eine vergleichbare Versorgung beziehen, die geringer als die gültige Bemessungsgrenze ausfällt.

Seit 2009 gibt es den Basistarif, für den ein Annahmezwang und ein gesetzlicher Höchstbetrag gilt. Es dürfen sich Privatversicherte, die ab 2009 einen Vertrag abgeschlossen haben, Nichtversicherte und gesetzlich Versicherte innerhalb von sechs Monaten nach Beginn der freiwilligen Mitgliedschaft in der GKV versichern. Wer bereits vor 2009 in der PKV versichert ist, darf wechseln, wenn das 55. Lebensjahr vollendet wurde, eine Rente bezogen wird oder Hilfebedürftigkeit vorliegt.

Für beide Sozialtarife gilt eine gesetzliche Beitragsbegrenzung auf den jeweils geltenden GKV-Höchstbeitrag. Grundsätzlich ist der Beitrag im Standardtarif deutlich geringer als die Prämie für den Standardtarif. Dies hängt mit den Zugangsvoraussetzungen zusammen. Der Umstieg aus der herkömmlichen Tarifwelt in den Standardtarif kann langjährig Versicherten eine deutliche Ersparnis von mehreren Hundert Euro im Monat bringen.

Zu beachten sind jedoch die Leistungseinschränkungen in beiden Sozialtarifen der PKV. Auch hier lässt sich feststellen, dass der Standardtarif umfangreichere Leistungen erbringt, da der Basistarif stets an das Versorgungsniveau der GKV geknüpft ist.

Fazit: Der Wechsel in einen Sozialtarif sollte der letzte Ausweg innerhalb der PKV sein. Meist lässt sich durch eine geschickte Tarifumstellung mehr Geld sparen - bei besseren Leistungen. Wenn die gewünschte Beitragsersparnis nicht drin ist, ist der Standard- dem Basistarif vorzuziehen. Leider können den Standardtarif nur Privatversicherte, die bereits vor 2009 versichert waren, anwählen.

Letzter Ausweg: Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung

Sie haben alle Optionen Ihrer Krankenversicherung ausgelotet und zahlen trotzdem noch einen zu hohen Beitrag? Dann sollten Sie die Möglichkeit prüfen, in die gesetzliche Krankenkasse zurückzukehren. Das ist jedoch nicht einfach und wird durch die aktuelle Gesetzeslage erschwert. 

  • Über 55-Jährige: Wer das 55. Lebensjahr überschritten hat, muss in der Privaten bleiben - auch wenn das Gehalt bei Angestellten unter die Pflichtgrenze fällt oder Arbeitslosigkeit eintritt. 
  • Arbeitnehmer: Fällt das Einkommen dauerhaft unter die Entgeltgrenze, tritt Versicherungspflicht in der GKV ein. 
  • Selbstständige: Durch den Wechsel in ein Angestelltenverhältnis mit einem Gehalt unter der Einkommensgrenze ist der Umstieg in die gesetzliche Krankenkasse möglich. Eine Alternative stellt die vollständige Aufgabe der Geschäftstätigkeit und dem Wechsel in die Familienversicherung des Ehepartners dar.